Ein Konzert mit besonderer Note
22.10.2010
Ein Konzert mit besonderer Note

 

Von Karin Freudenberger

In bunter Folge sitzen Türken und Deutsche im gemeinsamen Orchester. Zum Einsatz kommen auch die Instrumente Kanun und Balagma.

Foto: Karin Freudenberger Weinsberg

 

Fremde Töne klingen derzeit durch die Baukelter - das liegt allerdings nicht nur an den Instrumenten. Es sind auch türkische Worte zu hören. Denn das Istanbuler Avni-Akyol-Gymnasium der Schönen Künste ist seit Mittwoch zu Besuch in der Städtischen Musikschule. Ein Junge und 14 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren begleitet von acht Lehrern, dem Schulleiter und einer Dolmetscherin wollen den Grundstein legen zu einer internationalen Freundschaft der besonderen Art.

 

Idee

 

Weinsbergs Musikschulleiter Michael Böttcher hat diese Partnerschaft bewusst konzipiert. "Der Austausch mit Frankreich, England, den USA oder Italien wird schon durch die Schulen abgedeckt", sagt er und erklärt: "Ich habe deshalb etwas Außergewöhnliches gesucht." Seine Überlegungen kreisten deshalb um ein Land, dessen Vertreter zwar in Deutschland sehr präsent sind, jedoch nur selten als Kulturträger. Und da an der Musikschule auch einige junge Türken unterrichtet werden, bemühte er sich um einen Austausch mit Istanbul, der Hauptstadt. Am Bosporus traf er auf sehr aufgeschlossene Partner. Nachdem er im März per Mail Kontakt mit dem Gymnasium aufgenommen hatte, wäre die türkische Delegation am liebsten gleich im Mai gekommen. Doch Böttcher dachte an all die erforderlichen Vorbereitungen und fuhr im Juni selbst in die Türkei, um vor Ort besser planen zu können. Es mussten schließlich auch Musikstücke ausgesucht werden, die das Weinsberger Jugendsinfonieorchester gemeinsam mit den neuen Kollegen spielen kann. Begeistert über die warmherzige und offene Art seiner Partner kam er von dieser Reise zurück.In den Reihen des Jugendsinfonieorchester wurde nach Privatunterkünften gesucht. Mit Erfolg: Viele Jugendliche boten sich als Quartiergeber an, ein Aufruf im Nachrichtenblatt erledigte den Rest.Bei der Ankunft in Weinsberg schlossen die Gäste sofort Freundschaft mit der Kernerstadt. Auch wenn es mit der sprachlichen Verständigung etwas schwierig ist, da die jungen Türken und ihre Lehrer nur wenig Englisch und kein Deutsch sprechen, sind sie doch begeistert. "Weinsberg ist schön, die Leute sind sehr gastfreundlich", schwärmt Jagmur. Der Geigenspielerin ist auch der Unterschied zwischen einer Moschee und etwa der evangelischen Johanneskirche aufgefallen. Von der guten Organisation durch Böttcher ist Lehrerin Ayse Sezal Özdemir begeistert.Natürlich hat sich der Musikschulleiter auch ein Programm für die Gäste ausgedacht. Neben den drei eigenen Konzerten steht ein Besuch beim Württembergischen Kammerorchester an, ebenso eine Stippvisite in den Weinsberger Schulen. Dort werden die Türken ihre mitgebrachten landestypischen Instrumente vorstellen: Kanun, eine Art Zitter, und Balagma, die an eine Gitarre erinnert. Außerdem sind Besichtigungen geplant in der Weinbauschule, bei Audi und in der Experimenta. Um den Besuch finanziell schultern zu können, bekam Böttcher Unterstützung von der Weinsberger Bürgerstiftung, der Württembergischen Gebäudeversicherung und dem Kiwanis-Club.

 

Aufbau

 

Die gemeinsamen Konzerte der Jugendlichen bestehen aus drei Teilen. Sowohl die türkischen als auch die deutschen Jugendlichen spielen Soloparts. Dabei kommen dann Balagma und Kanun zum Einsatz. Danach geht es bunt gemischt weiter, also deutsche Geige neben türkischer Viola oder Klarinetten in internationaler Besetzung.Am Samstag, 23. Oktober, konzertieren die Ensembles um 18 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche Bad Wimpfen, am Sonntag um 17 Uhr im Bürgerhaus Böckingen. Und im April 2011 findet das nächste gemeinsame Konzert in Istanbul statt.

 

Heilbronner Stimme vom 22.10. 2010